Stories vom WochenMarkt

Stories vom WochenMarkt

Stories von VolksFesten

Stories von VolksFesten

MarktVergnügen für alle

MarktVergnügen für alle

MarktVergnügen für alle

MarktVergnügen für alle

Ein ehemals großer Kürbisanbauer aus den Vierlanden bei Hamburg verriet in einem Gespräch auf dem Wochenmarkt einige lustige und wahre Begebenheiten rund um das Thema. Wir bauten in den 80er Jahren den "Gelben Zentner" und den "Muskatkürbis" an. Beides sehr wohlschmecktende Kürbisse, die vollständig verwertet werden können und verkauften sie auf den Hamburger Wochenmärkten. Spaß hatten wir auch mit unseren Kürbissen, verrät mir der Gemüseanbauer. Einst lag ein besonders großer "Gelber Zentner" auf unserem Feld und ich beschloss während der Ernte ihn einfach länger liegen zu lassen. Mit dem ersten Frost musste er dann doch vom Feld und ließ sich nur noch mit schwerem Gerät und Karre bewegen. Da er nicht nur groß, sondern auch noch attraktiv anzusehen war, nahmen wir ihn mit auf den

Wochenmarkt und verpassten ihm ein lustiges Schild. "Wer diesen Kürbis mit seiner Armkraft hier wegtragen kann, bekommt ihn für 10 DM!!!" Es bildete sich eine Menschentraube. Große und Kleine, sogar eine ältere Frau versuchten den Kürbis zu heben. Ohne Erfolg. Zum Ende des Markttags kam schließlich noch ein muskulöser Mann und er schaffte den Transport unseres Zöglings mit Ach & Krach. "Na ja, wir hatten Mitleid und halfen ihm die letzten Meter runter von der Marktfläche. Damals hatten wir leider keine so große Waage und damit auch keine Idee wie schwer der Kürbis war", sinniert er weiter. Heute gibt es ja Wettbewerbe um den größten und schwersten Kürbis! 
Tüchtig lachen konnten wir auch, als ein Kürbis mit Loch geerntet wurde. Mein junger Mitarbeiter zeigte es mir und schaute ratlos, was nun zu tun sei. "Ich hielt den Kürbis hoch und sagte ihm er möge einmal am Loch horchen, denn es sei doch vermutlich ein Bewohner im Kürbis". Während er am Loch lauschte, kratzte ich mit dem Finger auf der anderen Seite des Kürbis, für ihn nicht sichtbar. Bleich vor Schreck sprang er zur Seite und wir brachen in großes Gelächter aus.
Und dann setzte der Hype um den Kürbis in Deutschland an. Wann? Vor ca. 20 Jahren setzte diese Welle ein, die wir, wie so vieles, den Amerikanern zu verdanken haben. Aus dem deutschen Reformationstag (31. Oktober) wurde plötzlich amerikanischer Halloween, der von den irischen Einwanderern nach USA mitgebracht wurde. Mit Kürbissen sollen ab sofort böse Geister vertrieben werden! Dieselben werden dazu enthöhlt – es sind sogenannte Schnitzkürbisse, oder Spiritkürbisse, die extra zu diesem Zweck gezüchtet werden. Nach Schnitzung der Außenhaut erhält der Kürbis eine Leuchtquelle. Oder der geschnitzte Kürbis dient als Maske u.v.m. Eine gesamte Industrie baute sich rund um Halloween auf! Kürbisse wurden ja schon im 16. Jahrhundert angebaut, vermutlich aber schon sehr viel früher. In diesem Zusammenhang gelang der Kürbis auch nach Japan. Es waren aber die Amerikaner, die rund um den Kürbis weiter züchteten. Sie brachten schließlich den heute bekannten nach den Japanern benannten Hokkaido auf den Markt. Die amerikanische Zucht namens Hokkaido wurde in Deutschland eingeführt und erhielt natürlich auch gleich ein passendes Image dazu. Hokkaido: der Kürbis in der richtigen Größe von 05, bis 1,5 Kilogramm; dessen Schale gegessen werden kann; mit orangeroter Schale, die so schön leuchtet und dessen Fruchtfleisch sich hervorragend vielen Geschmacksrichtungen anpasst. Der Werbedruck war erfolgreich, sowohl für den Hokkaido, als auch für Halloween; beide sind heute in Deutschland fest etabliert!
"Und was ist aus Ihrem Kürbisanbau geworden", wollte ich wissen? "Wir bauen unseren Gelben Zentner und den Muskatkürbis nicht mehr an. Der Markt wurde von außen kaputt gemacht, es bringt nichts mehr. Ich hatte in meinem Betrieb keine Lust mehr dazu", erzählt er. Sofern er heute Kürbisse auf seinem Marktstand verkauft, kommen sie aus dem regionalen Anbau seiner Kollegen. Übrigens der Hokkaido schmeckt nicht besser und lässt sich auch nicht einfacher verarbeiten, als unsere Kürbissorten, er hat eben nur das bessere Image, siehe oben.
BGB im Oktober 2018, Fotos©Barbara Gitschel-Bellwinkel