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Volksfeste

Fast einzigartig, es gibt nur 2 Karussells dieser Bauweise

Der Trendsetter vom Hamburger Dom

Volksfeste

Peter H. (64) ist verheiratet, hat 5 Kinder und 13 Enkelkinder. Seine Kinder sind ebenfalls im Schaustellergeschäft, wobei die Tochter mit Schwiegersohn und Enkelsohn mit ihm gemeinsam das Ballonfahrgeschäft betreiben. Neben dem Karussell bewirtschaftet die große Familie etliche Imbisse. Frische Fritten unter der eingetragenen Marke "Pommes Spezial" hat Peter H. schon seit 30 Jahren im Angebot und liegt damit auf einer beispiellosen Erfolgswelle. Waren es anfangs die berühmten Pommes mit Mayo, Ketchup und Zwiebeln sind es heute frische Pommes mit

Trüffelmayonnaise, die über den Tresen gehen. Rund 30 Saucenvarianten befinden sich inzwischen im Portfolio. Bevor Peter mit Pommes startete hatte er jeweils im Zeittrend die Chinapfanne und davor überbackene Champignons im Angebot, auch mit diesen Gastrohits war er sozusagen Pionier und Trendsetter auf Volksfesten, immer der Erste mit aufregenden Neuheiten. Auf dem Hamburger Weihnachtsmarkt bietet er bis heute, als einzige Ausnahme, (nur) Würstchen an. Rund um die Geschichte der Familie Peter H.:
Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?
Durch meinen Vater. Er hatte damals mit Imbissbetrieben begonnen. Ich erhielt Privatunterricht bei meinen Großeltern, während wir auf Volksfesten unterwegs waren und wusste schon mit 15 Jahren, dass ich auch Schausteller werden wollte.
Und wie kamen Sie zu dem Karussell?
Wir Schausteller erfinden uns immer wieder neu und das stand bei uns an, wir mussten etwas machen…etwas Neues! Ich entdeckte ein vielversprechendes Kaufangebot für ein Karussell mit Seltenheitswert und nahm mein Glück beim Schopfe. Das Karussell, die "Ballonfahrt" wurde im Jahr 2000 gebaut. 2018 habe ich es gekauft. Nach seiner Generalüberholung konnten wir 2019 auf dem Hamburger Frühlingsdom damit loslegen. Die Ballonfahrt ist ein Familien-Karussell und wurde zu einer wunderbaren Erfolgsgeschichte. Es gibt nur zwei Karussells dieser Bauart in Deutschland, die nach dem gleichen Prinzip funktionieren, aber unterschiedlich aussehen. Das zweite Karussell wird von einer Schausteller-Familie aus München betrieben. Wir stehen im Austausch miteinander, verstehen uns gut und helfen uns gegenseitig, wenn es erforderlich ist. 32 Personen können an einer Ballonfahrt teilnehmen, per Ballon 4 Personen, wobei Kinder unter acht Jahren nicht allein mitfahren dürfen, da es zu hoch hinaus geht. Um alles in Gang zu halten arbeiten wir mit 6 Personen rund um und am Karussell und an seinem Pommes Stand. Wir sind jetzt im sechsten Jahr mit der Ballonfahrt auf Volksfesten und sind nach wie vor begeistert, erklärt Peter H. Die Amortisation sollten wir nach einer 10jährigen Betriebsdauer erreicht haben, wobei stets noch Investitionen hinzu kommen wie Modernisierung und zu erfüllende TÜV Anforderungen. Das Karussell ist also nahezu einzigartig und dazu auch noch praktisch, denn der Transport ist mit nur einem Anhänger zu bewerkstelligen.
Was bedeutet Ihre Arbeit für Sie?
Arbeit muss sich rentieren und dabei Spaß bringen.
Mit welchen beruflichen Themen setzen Sie sich zurzeit auseinander? 
Personalmangel ist ein großes Problem, gefolgt von hohen Fixkosten für Strom, TÜV usw. und Einstandspreise bei Lebensmitteln. Dank meiner großen Familie können wir das Personalproblem intern lösen. Problematisch und teuer sind die ständig neu auftauchenden Normen, wie jetzt die DIN 13814 TÜV Bestimmung, das kostet alles viel Zeit und Nerven und der Nutzen stellt sich meines Erachtens nicht dar. Trotz allem bin ich der Meinung, dass die Preise für die Besucher unserer Volksfeste moderat bleiben sollten. Das stellt uns vor Schwierigkeiten, sowohl bei den Fahrtpreisen als auch bei den Verzehrs-Angeboten, die wir abfedern müssen.
Sind sie in einem Berufsverband organisiert?
Ich bin schon seit Ewigkeiten im Landesverband organisiert, irgendwas zwischen 35 und 40 Jahren Mitgliedschaft.
Auf wie vielen Volkfesten arbeiten Sie? 
Es werden Jährlich zwischen 12 bis 14 Veranstaltungen, wobei auf den Hamburger Dom schon 90 Tage entfallen. Das soll auch so bleiben, denn ich bin Hamburger, fahre abends nach Hause in meine Wohnung. Wir waren auch schon zweimal auf dem Münchner Oktoberfest vertreten, das ist wie ein Ritterschlag in der Branche, oder beim Schueberfouer, dem größten Volksfest Luxemburgs und auch auf der Rheinkirmes in Düsseldorf, übrigens dieses Jahr werden wir auch dort sein. Am "Hamburger Fischmarkt auf Reisen" haben wir gute 15 Jahre teilgenommen und zwar mit Imbiss- und Getränkeangeboten. Doch es wurde einfach zu viel und so habe ich mich für das Karussell und die Volksfeste entschieden. Wir sind nur auf einem Weihnachtsmarkt vertreten, auf dem Hamburger Gerhardt-Hauptmann-Platz. Und das schon über 35 Jahren, auch wenn sich in dieser Zeit die Dinge verändert haben, nicht zuletzt durch die jeweiligen Bezirksamtschefs aus Hamburg-Mitte. Nur auf diesem Fest bin ich mit einem Würstchenstand dabei.
Hat sich eigentlich das klassische Volksfest im Laufe der Jahre verändert?
Ja. Es gibt zwar ein unverändertes Stammrepertoire wie der Autoscooter bei den Fahrgeschäften oder der Würstchenstand, aber es sind viele hochtechnisierte Fahrgeschäfte und Leckereien für den großen und kleinen Hunger dazugekommen. Und das Publikum hat sich auch verändert. Bei unserem Karussell müssen wir immer häufiger durchgreifen, da die Besucher sich nicht an Regeln halten, oder sie nicht verstehen und teilweise sogar aggressiv werden. Ich meine, das Internet trägt viel dazu bei, dass die Menschen überhaupt nichts mehr behalten können was ihnen gesagt wird und auch nichts begreifen.
Wie schätzen Sie die Zukunft der Volksfeste in 10 Jahren ein?
Wir Schausteller sterben zuletzt… ich habe also keine Bedenken, dass es mit unserer Branche nicht weitergeht. 
Müssen die Fahrgeschäfte immer größer, höher und schneller werden?
Ja, die Besucher wollen es, sie suchen immer wieder einen neuen Kick.
Sollte sich das Verzehrangebot verändern, etwa exotischer werden?
Ich habe in all den Jahren sehr genau aufgepasst, was die Menschen essen möchten und hatte mit meinen Ideen und Anpassungen bislang den richtigen Riecher.
Was bedeutet geschäftlicher Erfolg für Sie? 
Dass es funktioniert ...die Geschäfte gut aussehen, dass man alles in Ordnung hat, denn das Geschäft muss gehegt und gepflegt werden. Erfolg ist für mich auch, dass meine Kinder funktionieren und ihre Sache gut machen.
Wie erleben Sie als Schausteller Hamburg?
Hamburg ist meine Heimat und die Stimmung unter den Schaustellern ist gut.
…und privat, verraten Sie Ihr Hobby?
Fußball. Ich bin HSV Fan, auch wenn sie schlecht spielen, denn "Liebe kennt keine Grenzen,"erklärt Peter H. schmunzelnd.
Das Interview müssen wir nun beenden, heute spielt der HSV im Volksparkstadion!
Und meine Geschäfte sind mein Hobby, fügt Peter H. noch blitzschnell hinzu.
Das Gepräch führte Barbara Gitschel-Bellwinkel im April 2024.

Zum obigen Motiv: Peter H. dirigiert das Geschehen aus seinem Karussell-Cockpit
Fotos©Barbara Gitschel-Bellwinkel

Partystimmung beim Bergedorfer Stadtfest

Veranstaltungsorganisation ist mein Ding

Volksfeste

Christian H. 41 lebt mit seiner Partnerin und der gemeinsamen kleinen Tochter in Schenefeld. Der gelernte Veranstaltungskaufmann verstärkt seit zwölf Jahren das Team im Landesverband des Ambulanten Gewerbes und der Schausteller Hamburg e.V. im Bereich der Sachbearbeitung und bei der WAGS Hamburg-Events GmbH mit der Planung und Durchführung von Veranstaltungen inklusive Rechnungswesen. Bereits als junger Mensch beschäftigte er sich mit Veranstaltungen, und organisierte kleine

Events. Aus seiner Leidenschaft wurde ein Geschäft, dem er stets treu geblieben ist. Mit einem Mix aus Selbständigkeit und Angestelltenverhältnis hat er die für sich optimale Arbeitswelt zusammengestellt und betont, er arbeitet sehr gern und freut sich stets über neue Aufgaben! Sodann fügt er noch hinzu: Genau das ist es was mir besonders gut an der Eventbranche gefällt, kein Tag ist wie der andere!
Im diesjährigen Sommer titelte eine Tageszeitung: Danke für drei tolle Stadtfesttage, gemeint ist das Bergedorfer Stadtfest 2022. Wir sprachen mit dem Planer und Organisator Christian H. und betrachten das bunte Fest in der Rückschau.
Wie fühlte es sich an, endlich wieder ein Fest zu organisieren? 
Nach den letzten zwei Jahren der Corona-Pandemie und die damit zusammenhängenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens, war das Stadtfest in Bergedorf in diesem Jahr für mich die erste Veranstaltung die wieder „ohne“ jegliche Auflagen stattfinden sollte, berichtet Christian H.
Voller Euphorie und mit frischem Wind in den Segeln, mit einem noch "leicht unwohlen Gefühl" der Unsicherheit und Ungewissheit, wie so eine Großveranstaltung nach so langer Zeit der Corona-Maßnahmen aussehen könnte, startete ich mit meinen Kollegen gemeinsam in die Veranstaltungsplanung. Ich spreche immer lieber von uns, also von wir, denn jede Veranstaltung kann nur gemeinsam im Team glücken. Leider zeichnete sich sehr schnell ab, dass sich die gesamte Veranstaltungsbranche extrem verändert hat. Viele Kollegen aus der Händlerschaft haben sich inzwischen beruflich umorientiert und Ihre Geschäfte aufgegeben. Etliche Gewerke der Veranstaltungswirtschaft finden kein Personal mehr, zudem sind die Preise für Dienstleistungen nur schwer oder gar nicht kalkulierbar. Hinzu kam eine weitere Nachricht, die sich unserer Planung in den Weg stellte.
Aus den Medien erfuhren wir, dass im Bereich des Bergedorfer Bahnhofes umfangreiche Umbau- und Sanierungsarbeiten zeitgleich zu unseren geplanten Festtagen stattfinden würden und diese unsere Veranstaltungsfläche betreffen. Der Bahnhof sollte komplett gesperrt und die Bushaltestellen verlegt werden.
Zu diesem Zeitpunkt war völlig unklar, ob unter diesen Gesichtspunkten ein Stadtfest überhaupt realisierbar ist. Wir führten Gespräche mit den Verantwortlichen in den Behörden, der Baugesellschaft und den Verkehrsbetrieben, um einen Weg zu finden. Letztendlich haben wir es unserem Geschäftsführer Bernd Simon zu verdanken, der mit seinem Verhandlungsgeschick und seiner Expertise eine akzeptable Lösung für alle Beteiligten finden konnte.
So entstand ein neues, kleineres Format des bis dahin bekannten Stadtfestes. Die Veranstaltungsfläche wurde auf den Innenstadtkern von Bergedorf reduziert. So haben wir es geschafft, dass das Stadtfest stattfinden konnte und parallel die Baustelle nicht beeinträchtigt wurde. Aus meiner Sicht eine richtige und gute Entscheidung!
Wie verlief die Planung unter Ihrer Leitung?
Die WAGS Hamburg Events GmbH hat nun bereits das vierte Bergedorfer Stadtfest organisiert und ich war stets von Anfang an, in die Planung und Durchführung involviert. Das Wissen und das Know-how um eine Veranstaltung in dieser Größenordnung durchzuführen bedarf einer langen Lehrzeit. Ich konnte durch die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen sehr viel über die Durchführung von Events lernen und habe mir über die Jahre mehr und mehr Fachwissen angeeignet. Durch meine eigene Selbständigkeit in der Veranstaltungsorganisation blicke ich außerdem auf verschiedene Facetten in diesem Geschäft zurück. Für das diesjährige Bergedorfer Stadtfest wurde mir erstmals das Vertrauen und die Gelegenheit gegeben, einen Teil des Festes unter meine Leitung zu stellen. So organisierte ich mit einem neuen Konzept den Bühnenbereich am Bahnhofsvorplatz. Es ist jedoch sehr wichtig, verschiedene Prozesse in der Planung immer im Team zu erarbeiten. Die Leitung der Veranstaltung liegt also nicht allein bei mir, sondern in den gemeinsamen Händen unseres tollen Teams.
Wie war die Zusammenarbeit mit den Behörden?
Die Bergedorfer Behörden sind sehr unkompliziert. Sie bauen auf unsere gute Zusammenarbeit der letzten Jahre auf. Mir gefällt, dass wir einen sehr ehrlichen und vertrauensvollen Umgang mit der Wirtschaftsbehörde haben. 
Waren Sie zufrieden mit dem Ergebnis des Stadtfestes?
Aus der Sicht als Veranstalter war das Stadtfest ein voller Erfolg. Es sind keine nennenswerten negativen Vorfälle zu verzeichnen. Leider hat das Wetter am Freitag nicht richtig mitgespielt und servierte uns einen veritablen Platzregen, trotzdem war das Fest ein voller Erfolg. Ich habe sehr viele lachende BesucherInnen gesehen und denke, gerade nach der Pandemie haben wir eine schöne Abwechslung für groß und klein geboten.
Was ist denn besonders gut gelungen?
Das neue Konzept, die Bühne am Bahnhofsvorplatz, ist sehr gut angenommen worden. Wir hatten dort einige Schwergewichte der elektronischen Musikszene im Programm. Das gesamte Wochenende wurde ausgelassen getanzt und gefeiert. Ein echtes Highlight - und aus meiner Sicht - war es ein sehr notwendiges Kontrastprogramm! Auf der kleinen Bühne an der Hude haben wir Hip-Hop mit lokalen Künstlern aus Bergedorf gezeigt. Veränderungen, die gut ankamen, denn es ist sehr wichtig, ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm zu bieten. Am Sonntag habe ich spontan eine Musikgruppe zugelassen, die am Sachsentor einen Street-Gig auf Blecheimern und ähnlichen Klangkörpern gespielt hat. Das war wirklich toll. Es dauerte nicht lange und die Zuschauer drängelten sich in der Straße! Solche Acts machen viel aus, davon könnten wir in Zukunft noch mehr gebrauchen.
Was könnte noch verbessert werden?
Uns fehlen interessante Handelsstände. Es ist so wichtig, dass schöne Produkte oder Kunsthandwerker Ihre Waren auf unserer Veranstaltung anbieten. Jeder, der sich aufgerufen fühlt, möge sich bei mir melden. Ich bin dankbar für jeden Tipp!
In Zukunft möchte ich das Bühnenprogramm noch weiter ausbauen und habe schon viele tolle Ideen für kommende Veranstaltungen.
Mit welchen beruflichen Themen setzen Sie sich zurzeit auseinander?  
Die Jahreszeit gibt mir die Themenfelder vor. Zurzeit beschäftige ich mich mit der Zuarbeit für unsere Weihnachtsmärkte. Auch einige Jahrmärkte sind noch zu bearbeiten. Anträge für zukünftige Jahrmärkte und kommende Veranstaltungen müssen erstellt werden und unser Landesverbandstag im Februar 2023 ist in Vorbereitung. 

Das Gespräch führte Barbara Gitschel-Bellwinkel im November 2022.

Zum Motiv:
Christian H. bei der Arbeit im Büro des Landesverbands und der WAGS
Fotos@privat

Ausgewählte Hamburg Schätzchen gewürzt mit Hamburg Döntjes

Unisono: Fotograf, Schausteller und Markthändler

Volksfeste

Seit 12 Jahren ist Rainer Raeder (64), Spitzname "Der Hamburger" auf wechselnden Wochenmärkten, Flohmärkten, Stadtfesten und besonders gern auf dem Hamburger Fischmarkt unterwegs. Als gelernter Fotograf und Schauspieler lässt er sich ab und an in seine alten Branchen weglocken, doch sein Herz schlägt für "Hamburg Schätzchen". Die Fotobranche ist schwierig geworden, sinniert er, besser läuft es mit gelegentlichen Filmaufträgen für private Sender. Richtig gut verdienen könne man bei Werbespots, aber ein Gesicht ist schnell verbraucht, wenn es für eine bestimmte Thematik eingesetzt wurde, erklärt er und dann ist es AUS

mit den Aufträgen. Richtig Spaß macht ihm deshalb seine konstante Berufsrolle, der Verkauf sorgfältig ausgewählter Hamburg Andenken. Wie kam der Fotograf und Schauspieler zu liebenswerten Hamburg Mitbringseln und welche Rolle spielt dabei seine Ape, wollte MarktStories wissen. Rainer R. berichtet: Zu meinem 50. Geburtstag beschenkte ich mich selbst mit einem lang gehegten Traum einer Ape, ein einsitziges Piaggio, erzählt er. Einfach so rumfahren, lässig wie es die Italiener machen und vielleicht noch einen Zweck aufsatteln? Kaum, dass ich die Ape gekauft hatte, entdeckte ich ein neu herausgegebenes Magazin "Der Hamburger". Es fiel mir mit meinem fotografischen Blick ins Auge. Und schon war meine Idee geboren. Ich fuhr mit der Ape direkt zum Verlag und bot an, das neue, sehr schön gemachte Magazin aus meinem Wagen heraus zu verkaufen. Kurzum, der Deal wurde perfekt und sofort ging’s los. Die Hamburger zeigten sich begeistert und kauften das Magazin "Der Hamburger" gern, und es ergab sich, dass ich immer häufiger gefragt wurde, ob ich auch noch weitere Hamburg Artikel hätte oder aufnehmen würde. Ja, warum denn nicht, und so wuchs und wuchs mein Sortiment auf rund 50 Artikel an.
Seine Artikel werden in Hamburg gefertigt, kommen aus kleinen Ateliers, oder von privaten Handwerkskünstlern, das ist ihm wichtig, denn nur so kann er sich von der Einheitsware der Souvenir-Shops abheben, die meistens Billigware aus China beziehen und dann teuer verkaufen. Qualität und Nachhaltigkeit muss in seinen Artikeln stecken, sagt er. Rainer R. lebt die Heimat Hamburg auch optisch. Sein Outfit mit Elbsegler inkl. einer maritimen Fliege sind perfekt abgestimmt. Ja, die Fliege ist ganz besonders, nicht aus Stoff, sondern aus Holz mit geschnitzten Seemotiven – auch so eine Rarität. Jedes Detail hat eine Geschichte an seinem Stand, zu der auch immer seine Ape zählt, die geschickt integriert und mitdekoriert wird. Schaut man genau, gibt es viel zu entdecken, wie liebevoll gemachte Magnete, Anhänger, Lesezeichen, gestrickte Babymützen, Seesäcke, Kissen und sogar einen Unikat-Briefkasten u.v.m.
Zu jedem Artikel gibt’s natürlich eine Gratis-Geschichte, ein Döntjes wie man in Hamburg sagt, dazu, die er sehr gern zum Besten gibt. Hier kommt sein schauspielerisches Talent zur Geltung, was besonders auf Themenmärkten wie dem Hamburger Fischmarkt gut ankommt. Touristen lieben alles, was irgendwie mit Hamburg zu tun hat, berichtet er. Die Verkaufstechnik, mit Kunden in einen charmanten Dialog zu kommen, hat sich bewährt. Er bemerkt aber leider eine zunehmende Tendenz etlicher Marktbesucher, Artikel zu befummeln und zu prüfen, um dann zu fragen, wo sie es im Internet bestellen können. Nicht möglich, da es sich ausschließlich um Unikate handelt, ist dann die Antwort und er fügt hinzu, dieser Button hier drückt meine Philosophie aus "offline ist das neue bio", denn die Wirkung des Internets ist negativ und besorgniserregend!
Ob er persönlich auch einen Lieblingsartikel habe? 
Ja, es ist ein entzückendes Buch zum Schmunzeln und heißt: "Das Buch MOIN", meine absolute Empfehlung.
Wie haben Sie die Corona-bedingte Zeit erlebt?
Alle Themenmärkte fielen aus, das war natürlich gar nicht schön, und als Wochenmarktbeschicker hatte ich beispielsweise auf dem Isemarkt massive Probleme. In der ersten Zeit durften außerdem nur systemrelevante Artikel verkauft werden. In meinem Fall waren es Kinderbücher. Weitere Artikel meines Sortiments durfte ich nur nach vorheriger telefonischer Bestellung verkaufen. Also heftete ich meine Telefonnummer an einen Seesack, den ich auf die Ape stellte, und so konnte mich der vor mir stehende Kunde anrufen und beispielsweise den Seesack ordern; eine abstruse, aber funktionierende Idee. Doch nun im Frühjahr 2022 können wir endlich wieder aufatmen und kehren langsam zu den Themenmärkten zurück. Ich hoffe, dass sich die Idee des Abendmarkts hier in Hamm und an anderen Plätzen durchsetzt, und wir zu einem etwas anders aufgestellten Wochenmarkt kommen, der für die Kunden zusätzlich auch erlebnisreich und damit lohnenswert für den Besuch ist.
Wie schätzen Sie die Märkte der Zukunft ein?
Ich gehe von einer riesigen Renaissance aus, wenn man neuen Ideen folgt und zum Beispiel eine Öffnung bis 20 Uhr oder auch später umsetzt. Das bedeutet für viele Wochenmarktkollegen, dass sie sich umorientieren und ein Schichtsystem installieren müssten.
Haben Sie einen persönlichen Wunsch?
Ja, ich möchte, dass die Menschen wieder einander zuhören! Im Alltag wird kaum noch zugehört, deshalb gibt es so viel Hass und andere Verrücktheiten.
Haben Sie ein persönliches Ziel?
Noch gute 20 Jahre möchte ich die Märkte beschicken, und wenn ich nicht mehr mit der Ape fahre, komme ich mit dem Handwagen und verkaufe was gebraucht wird. Vielleicht sind es ja 1 m Pflaster???
Vielen Dank für das Gespräch, MarktStories wünscht Ihnen viele hamburgbegeisterte Kunden!

Text und Fotos©Barbara Gitschel-Bellwinkel
Juni 2022

Mit Leib und Seele bei der Arbeit: Schausteller-Ehepaar Sascha und Bianca B.

Man muss von allem ein bisschen können

Volksfeste

Ein Gespräch auf dem Hamburger Frühlings-DOM mit Schausteller Sascha B. 50. Seit 25 Jahren ist er mit seiner Jugendliebe Bianca verheiratet. Zwei Töchter hat das Paar. Die ältere Tochter Evelyn 23 ist gemeinsam mit ihrem Partner ebenfalls im Schaustellergeschäft verankert, während die jüngere Tochter Lorenza gerade für ihr Abitur büffelt und in der Zeit danach "irgendwas mit Zeichnen" machen möchte. Das ist alles in Ordnung für mich, beide Töchter haben und hatten die freie Berufswahl, sagt Sascha, nicht ohne Stolz. Zur Familie gehört außerdem ein drolliger Chihuahua. Der Hund ist stets dabei, egal wo die Schaustellerfamilie unterwegs ist. Sascha und Bianca

bieten derzeitig den Jahrmarktbesuchern Crepes an. Bis vor kurzem waren auch Kinderkarussells wie "Kuddel der Hai" und die "Kinder Super 8" in ihrem Portfolio.
Wie sind Sie zu ihrem Beruf gekommen?
Die Belli’s haben eine lange Familientradition, die bis ins Jahr 1610 zurückführt. Meine Vorfahren waren Akrobaten einer Zirkusfamilie, sie kamen aus Italien. Mein Ur-Vorfahre durfte auf dem großen Platz in Florenz eine Darbietung feilbieten und ist dann mit dem Segen des Kardinals von Florenz über die Alpen nach Deutschland gezogen. In Deutschland entstand dann der größte Zirkus der damaligen Zeit, der Zirkus Belli mit seinem Sitz in Hamburg. Später machte meine Familie als Schausteller weiter, unter anderem auf dem Dom, erzählt Sascha B. Mein Großvater väterlicherseits hatte sieben Kinder. Alle gingen in die Schaustellerei und vom Ketten-Karussell- bis zum Schießbuden-Betreiber war alles dabei, und so setzte sich die Familientradition bis heute fort. Ich lernte schon beim Spielen als Knirps an der Seite meines Vaters, was zu tun ist. Mit 13 Jahren wurde ich fest ins Geschäft eingeplant, hatte mit 15 schon einen LKW Führerschein und dann mit 17 Jahren den Führerschein Klasse 3.
Learning by doing. Wir können alles – aber nichts richtig, sagt er und grinst.
Wir Schausteller stehen unter ständigem Zeitdruck, sind enorm vielschichtig unterwegs, denn wenn man nicht von allem etwas kann, müsste man sich teure Fachkräfte holen – wie zum Beispiel Elektriker, Kranführer, Mechaniker, Lackierer usw. Man muss also von allem ein bisschen sein. Heute habe ich von der vielen körperlichen Arbeit genug und überlege wie es weiter geht.
Was bedeutet Ihre Arbeit für Sie?
Schausteller zu sein, ist der tollste Job der Welt, denn man darf Menschen glücklich machen und kann Menschen zusammenbringen; dafür muss man Enthusiast sein und muss Spaß daran haben.
Mit welchen beruflichen Themen setzen Sie sich zurzeit auseinander?  
Hauptsächlich mit Verbandsthemen. Wir hatten gerade Probleme beim Abschussplatz für das Feuerwerk, die es zu lösen galt. Oder es geht um Transportkosten, wir würden nämlich gern eine Woche länger den Sommer-DOM betreiben, oder am Karfreitag öffnen. Auch Gespräche mit der Wirtschaftsbehörde u.v.m. gehören dazu.  Ich habe einen direkten Draht zu etlichen Politikern und in den Gesprächen geht es um übergeordnete Themen wie Regionalität, Bio, Ölverwendung usw.
Durch meine Verbandstätigkeit im LAGS Landesverband des Ambulanten Gewerbes und der Schausteller Hamburg e.V. erhalte ich viele Einladungen z.B. in die Handelskammer, von der IG St. Pauli oder von Bezirksämtern – das mache ich sehr gern, ist aber auch zeitaufwändig.
Auf wie vielen Volkfesten mit welchen Angeboten arbeiten Sie? 
Zurzeit sind es 20 Volksfeste in und um Hamburg herum, es waren schon mal mehr.
Wir verkaufen Crepes. Die Ursprungsidee dazu hatte meine Schwiegermutter, die in den 70er Jahren damit startete. Sie hatte damals 10 verschiedene Crepes im Angebot. Wir sind heute bei 100 verschiedenen Crepes und entwickeln stets Neue hinzu.
Haben Sie in den letzten Jahren Ihr Angebot verändert? Falls ja, warum?
Ja, wir müssen uns ständig um die aktuellen Trends kümmern. Das wünscht der Kunde, sonst bleibt er weg. Zitat: "Wenn man nicht mit der Zeit geht, geht man mit der Zeit." Natürlich haben wir jetzt auch vegane Crepes!
Hat Corona Ihr Leben verändert?
Sehr sogar. In dieser Zeit habe ich mein Karussell verkauft. Angst machte sich bei mir breit und ich fühlte mich wie im Gefängnis, nicht mehr mittendrin, wie gewohnt, sondern isoliert. Die Verbandsarbeit war in dieser Zeit besonders arbeitsintensiv, es entstand eine gute Zusammenarbeit, wo jeder seine Kontakte einbrachte. Als wir schließlich wieder öffnen durften, war ich sehr, sehr froh!
Haben Sie Freude an ihrem Beruf und würden ihn wieder wählen?
Ja.
Gibt es neben Familienbetrieben mit Tradition eigentlich auch neue Betreiber auf den Jahrmärkten?
Ab und zu gibt es Quereinsteiger, oder Leute, die per Heirat hinzukommen. Es ist für sie in der Regel schwieriger, da sie nicht von klein auf alles gelernt haben, was bei mir und anderen Schaustellerkindern bereits spielerisch angelegt wurde.
Sind neue Anbieter gern gesehen und können sie sich integrieren?
Auf dem DOM ist es wie in einem kleinen Dorf. Jeder kennt jeden. Man hat ja nicht immer mit Gutmenschen zu tun, es hängt damit zusammen, wie man sich einbringt, aber in der Regel hat jeder die Chance, sich zu integrieren.
Ihre Meinung bitte: Müssen die Fahrgeschäfte immer größer, höher und schneller werden?
Ja, darüber staune ich auch, dass immer wieder noch was geht und neue Karussells gebaut werden. Aber das passiert, weil es im Trend ist und gewünscht, bzw. gefordert wird. Besucher informieren sich nämlich vor ihrem Besuch im Internet welche Karussells zu erleben sind und welcher neue Nervenkitzel erlebt werden kann.
Würden Sie jungen Menschen zu dem Beruf des Schaustellers raten?
Das mache ich nach persönlicher Tagesform, also mal ja, mal nein. Die behördlichen Auflagen werden immer strenger und unübersichtlicher, die zu erfüllen sind. Jüngere haben keine Angst vor Digitalisierung und gehen damit unbeschwert um, das könnte ihnen in Zukunft den Umgang mit dem Regelwerk vielleicht erleichtern.
Wie schätzen Sie die Zukunft der Volksfeste in 10 Jahren ein?
Wir werden noch da sein, weil wir das zweitälteste Gewerbe der Welt sind. Natürlich kenne ich die Form der sich entwickelnden Veranstaltung nicht, hoffe aber, dass sich jeder der möchte, den Besuch noch leisten kann. Ich habe gerade in der derzeitigen TV-Werbung Ketten-Karussells entdeckt, das macht mir Mut für die Zukunft und verleiht mir das Gefühl, dass unsere Branche eine große Akzeptanz hat.
Was bedeutet geschäftlicher Erfolg für Sie? 
Wenn mein Stammkundenkreis noch größer wird und wenn meine Kunden immer wieder kommen und sich freuen.
Haben Sie einen persönlichen Wunsch, ein Ziel?
Gesundheit, gesund bleiben, das wünsche ich mir ebenso für meine Familie.
...und privat, verraten Sie Ihr Hobby?
Es ist schwierig, denn ich habe keine Zeit dafür. Fahre gern mal Motorrad und entspanne zu Hause in Schleswig-Holstein beim Grillen im Garten. Ganz wichtig ist für mich mein 14tägiger Urlaub mit der Familie.
Meine Lieblingsmusik...
sind alte Schlager 60/70er Jahre, denn ganz ohne Musik wäre es doof.
Gibt es ein schönstes Erlebnis für Sie?
Ich hatte sehr viele, schöne und tolle Erlebnisse in meinem Leben, aber das Schönste war, als ich mich mit 15 Jahren in meine Frau verliebte! Sie war damals 14 Jahre alt. Wir kannten uns von verschiedenen Volksfesten auf denen unsere Familien gastierten. Wir haben vor 25 Jahren in der Wurstbude meiner Eltern Hochzeit gefeiert und die gesamte Hochzeitsgesellschaft ist Riesenrad gefahren. Übrigens konfirmiert wurden wir auch gemeinsam als Kinder im großen Bierzelt.
Damit schließt sich die letzte Frage an, wo werden Sie denn Ihre Silberhochzeit im Juni feiern?
Bislang haben wir noch nichts geplant. Es richtet sich nach unseren besuchten Veranstaltungen.

Wir wünschen Ihnen schon heute weiterhin alles Glück und viel Erfolg mit und für ihre Schaustellerfamilie. 
Das Gespräch führte Barbara Gitschel-Bellwinkel im April 2023.
Zum Motiv: Der schmucke Crepes-Stand mit französischem Flair bietet auch etliche Sitzplätze.
Fotos©Barbara Gitschel-Bellwinkel 

Es fing so gut an

Es fing so gut an

Volksfeste

Die Schausteller freuen sich, dass sie nach der Corona-bedingten Zwangspause den traditionellen Weihnachtsmarkt auf dem Harburger Rathausplatz beschicken dürfen. Alle sind sich darüber im Klaren, dass nur mit strikter Einhaltung der Hygiene-Regeln die Veranstaltung gelingen kann. Den Organisatoren wurde viel abverlangt, doch wichtiger als das Drumherum ist, dass etwas Normalität einkehren kann, wurde einhellig berichtet. Besonders in der Weihnachtszeit können wir

maßgeblich dazu beitragen den Menschen, insbesondere den Kleinen, Freude zu bereiten, erwähnt eine Organisatorin. Und so wurde kurz nach der traditionellen Eröffnung des Jahrmarkts durch die Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen besonders das in der Mitte des Platzes aufgebaute Kinderkarussell gestürmt. Es gibt viel zu erleben auf diesem familiär-gemütlichen Weihnachtsmarkt. Neben lukullischen Köstlichkeiten für die großen Gäste wurde ein umfangreiches Bühnenprogramm mit täglich wechselnden Highlights für Jung und Alt entwickelt. In Aktionshütten wird gebastelt, gemalt und dekoriert.
Nachdem der Start, bei Einhaltung der 2G Regel reibungslos verlief und sich die Bürger verantwortungsbewusst zeigten, platzte leider wenig später die Omikron-Corona Variante in das aktuelle Geschehen hinein. Die Auswirkungen dieser als besonders ansteckenden Virus-Variante wurden sofort auf diesem und auf allen weiteren Weihnachtsmärkten sichtbar.
Gäste blieben fern und so wurde aus dem mutigen Neubeginn der Schausteller, der auch ein wirtschaftliches Risiko darstellte, kein freudiger Neustart.
Die meisten Hamburger Weihnachtsmärkte schlossen deshalb vorzeitig am 23.Dezember 2021.
In Hamburg Harburg kann noch bis zum 29. Dezember vorbeigeschaut werden, vielleicht doch noch schnell den Märchenonkel erleben und musikalisch dem Winter bei Glühwein trotzen? BGB 12/2021

Einige Impressionen: 
  

  

Zu den Motiven: 
Gut funktionierende Einlasskontrolle nach den 2G Regeln
Im Mittelpunkt das Kinderkarussell
Dekorative Details 
Hingucker Schlitten

Fotos©Barbara Gitschel-Bellwinkel

 

  1. Sylt - die Suppen und ich!
  2. Das Kinderkarussell im Einkaufszentrum
  3. Gespräche mit einer Schaustellerfamilie
  4. Kein Dom, keine Jahrmärkte, kein Hamburger Fischmarkt

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