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Am Rande der Lister Dünen steht der Suppenwagen von Maurice Morell

Sylt - die Suppen und ich!

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Ungewöhnlich, ein Suppenwagen in den Dünen, raunten sich die Insulaner und seine ersten Kunden vor inzwischen vier Jahren zu. Wie kann es sein, dass sich einer am Rande der wunderbaren Sylter Dünenlandschaft niederlässt, mit einem Suppenkarren und dazu noch als Nichtgastronom?
Doch dann
 machten sie mit Maurice Morell (Jahrgang 1960) Bekanntschaft!
Mit tatsächlich nur 3 wechselnden Suppen im Angebot hat er sich seinen Platz in der

gastronomischen Vielfalt der Insel Sylt erobert. Wie das passiert ist, kann jetzt in seinem ersten Buch "Wie ich lernte, meine eigene Suppe zu kochen und damit glücklich wurde", in Erfahrung gebracht werden. Morell stammt aus einer Künstlerfamilie. Schon in den 70er Jahren fuhr die gesamte Familie immer wieder nach Sylt auf der Suche nach Inspiration und Entspannung. Beruflich wollte er irgendwas mit Medien machen, was die Familie kopfschüttelnd registrierte. Tatsächlich findet er sich wenig später in der Werbe- und PR-Branche wieder, lernt von der Pike auf und wechselt häufig die Aufgabengebiete. Mit dem aufkommenden Bioboom folgt er einer anderen Geschäftsidee, um danach auf der geliebten Urlaubsinsel Sylt abermals neu zu starten. Er verdingt sich unter anderem als Strandkorbwächter oder als Eisverkäufer und lernt nebenbei - beziehungsweise insbesondere - viel über sich und die Menschen!
Dank einer Intuition, der er konsequent folgte: "Ich möchte Suppen kochen, als Gastgeber meine Kunden bedienen und zwar On Top Level auf Bordsteinkanten-Niveau"; ist dieser Wunsch Wirklichkeit geworden!

Über sein Erfolgsrezept berichtet er so: "Man muss machen, was Einem ganz persönlich Freude bringt, dann kommt der Erfolg von ganz allein!" Schritt für Schritt beschreibt Morell in vierzehn Kapiteln welche Höhen und Tiefen er durchschreiten musste, bis der Suppenwagen und auch seine Kochkünste für das Publikum bereit waren. Um den Leser aktiv mitzunehmen, endet jede Episode mit einer offenen Fragestellung. Hier wird also nicht nur eine persönliche Geschichte erzählt, sondern ein Leitfaden zur Selbstmotivation "wie starte ich erfolgreich in ein neues, selbstständiges Berufsleben", gegeben. So nimmt er zum Beispiel die Angst 
vor dem Businessplan und berichtet freimütig, dass nicht der hohe Kapitaleinsatz am Anfang stehen muss, es geht auch anders. Allerdings verschweigt er gleichfalls nicht, dass ein 100prozentiger Einsatz für das Projekt im Vordergrund stehen muss. Wertvolle Tipps gibt Morell in Sachen Werbung und PR, hier spricht der ehemalige Berater und Profi. Ja, er ist detailverliebt, das kommt seinen Lesern und seinen Kunden, die er Gäste nennt, an seinem Sylter Suppenwagen zu Gute. Es wird nichts verschwiegen, nichts beschönigt. Nach flott durchgeschmökerten 137 Seiten Erfolgstipps folgen Hinweise für die Zubereitung von Suppen, die Morell ausschließlich aus regionalen Produkten ganz natürlich und vegan herstellt. Als Nachschlag gibt es noch spannende, gut nachzukochende Rezepte! Barbara Gitschel-Bellwinkel 
Das Buch ist im Harper Collins Verlag erschienen, hat 222 Seiten und kostet 16 Euro.
Mehr über Sylter Suppen gibt's hier: www.sylter-suppen.de

Zum Motiv:
Buchtitel mit Aquarell-Dünenlandschaft 

Foto©Barbara Gitschel-Bellwinkel

Thomas B. vor seinem nostalgischen Kinderkarussell

Das Kinderkarussell im Einkaufszentrum

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Thomas B. ist in vierter Generation Schausteller. Er lebt mit Ehefrau und zwei erwachsenen Söhnen seit 1983 in Hamburg. Seine Frau arbeitet mit ihm zusammen und die Söhne wollen ebenfalls im Schaustellergewerbe bleiben. Er persönlich startete gleich nach der Schule durch und lernte viel bei seinem Vater, denn handwerkliches Geschick ist unabdingbar, wenn man in das Karussellgeschäft einsteigen will, betont er

und zeigt auf sein schmuckes Kinderkarussell. 1992 habe er das Karussell von der Familie Ritter übernommen und ist seitdem damit jährlich auf rund 20 Volksfesten unterwegs. Meine Arbeit ist für mich Berufung, ich bin irgendwie nostalgisch angehaucht und liebe das Jahrmarktflair. Ich wollte nie etwas anderes machen, berichtet er. Bereits lange vor der Corona-Pandemie hat sich Thomas B. Gedanken, um nicht zu sagen Sorgen, um die Welt gemacht! Immer wieder dachte er darüber nach, dass es zu viele Menschen auf dem Planeten gibt; es mit der Massentierhaltung eigentlich so nicht weiter gehen kann und die Umwelt besser geschützt werden müsse. Als die Pandemie kam, überraschte sie ihn also nicht. Da er das Karussell abbezahlt hat, sah die Situation zunächst nicht so dramatisch aus, aber Corona hat verunsichert und dauert nun schon so lange! Und er fügt hinzu, sie zeige einem die eigene Verletzlichkeit auf. Trotzdem bleibt er optimistisch und meint, er werde die Krise überleben und hoffentlich auch die vielen Kollegen.

Wie kam denn nun sein Karussell in das Einkaufszentrum? Im Langenhorner EKZ habe er schon viele Jahre am Weihnachtsmarkt und bei anderen festlichen Anlässen teilnehmen dürfen, berichtet Thomas B. Die Stadt Hamburg gestattete uns Schaustellern auf zugewiesenen Plätzen - ohne Jahrmarktveranstaltung drum herum, zeitlich limitiert - aufzubauen, um uns auf diesem Weg etwas Einnahmen zu ermöglichen. Für mich ein Glückstreffer, denn hier kamen viele meiner Stammkunden und besuchten mich.

Übrigens habe er beobachtet, dass die jungen Leute sich wenig Sorgen um die Zukunft machen! Nachgefragt zur Schaustellerbranche betont er deren starken Überlebenswillen, "die bekommen irgendwie immer alles hin". Durch den Impfstoff geht es nun richtig voran, aber er nehme an, dass es ca. 2-3 Jahre dauern wird, bis sich die Wirtschaft wieder aufgerappelt hat.
Natürlich hofft er, dass trotz Strukturwandel und Digitalisierung der Jahrmarkt oder das Volksfest Bestand haben werden. Kinder lieben sein Karussell, erklärt Thomas B. mit leuchtenden Augen und deutet auf dessen kunstvolle Bemalung hin. Auf 13
Crownerflächen sind Grimm’s Märchen illustriert und ihm gefällt es besonders, wenn sich die kleinen Gäste interessieren, dann erklärt er ihnen die Märchenbilder und vielleicht auch mal das ganze Märchen?

Wie alle Schausteller hofft er, dass die regulären Veranstaltungen bald wieder los gehen können und fügt hinzu, möge die Welt durch die Corona-Pandemie auch etwas Positives dazulernen. BGB
04.06.2021

Zu den Motiven:
Das nostalgische Kinderkarussell stand zeitbegrenzt im Einkaufszentrum Hamburg Langenhorner Markt, dafür ist Schausteller Thomas B. dankbar, denn in Zeiten der Corona-Pandemie half es ihm. Er würde auch sofort wieder aufbauen, wenn die Genehmigung erfolgt.

Karussellfläche mit Märchenbild aus "Rotkäppchen und der Wolf".

Fotos©Barbara Gitschel-Bellwinkel

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Schaustellerpaar Christian und Bianka R.-B. im Corona-Lockdown

Gespräche mit einer Schaustellerfamilie

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Seit gut 25 Jahren ist Christian R.-B. mit seiner Bianka verheiratet. Sie kennen sich seit über 30 Jahren, haben gemeinsam zwei erwachsene Töchter und stets einen Hund, der mit ihnen als vollwertiges Familienmitglied zusammenlebt. Wir haben eine ganz große Familienzusammengehörigkeit, erzählt Christian R.-B. und wohnen eng beieinander. Auch die Großelterngeneration bleibt, wenn sie älter und unbeweglicher wird, im Familienkreis. Man achtet gegenseitig auf sich und wohnt in

vier Campingmobiles/Häusern, die von ihm und seiner Frau, den beiden Töchtern mit ihren Freunden und den Großeltern bewohnt werden. Natürlich wird auch gemeinsam gearbeitet. Sie betreiben zwei Kinderkarussells und haben zwei Bäckereiwagen. In den folgenden Gesprächen antworteten Christian und Bianka, teilweise gemeinsam.
Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?
Christian: durch Familientradition. Bianka: Ja, ebenso. Wobei ich vorab auf Wunsch meiner Eltern Buchhalterin gelernt habe. Wir sind Kirchturmreisende rund um Hamburg, das bedeutet, wir arbeiten in und im unmittelbaren Umkreis von Hamburg. Übrigens, unsere Töchter sind ortsbezogen fest zur Schule gegangen und haben sich beide danach für den Schaustellerberuf entschieden.
Wieso haben sie eigentlich 2 Karussells und 2 Bäckereien, ist das nicht zu viel?
Nein, das schafft man sich nicht aus Gier an, sondern eher aus Not, da man sonst nicht über die Runden kommt, erklärt Christian.
Was bedeutet Ihre Arbeit für Sie?
Unser Gewerbe ist einzigartig! Es bringt mir Freude, betont Christian, auch oder vielleicht weil ich dann arbeite, wenn andere Freizeit haben!
Mit welchen beruflichen Themen setzen Sie sich zurzeit auseinander?  
Leider seit nun schon einem Jahr mit der Corona-Pandemie. Wir sind 9 Personen in unserem Familienhaushalt und alle wollen ernährt sein.
Haben Sie Freude an ihrem Beruf und würden Sie ihn wieder wählen?
Ja, insbesondere die Freude der kleinen Besucher zu erleben. Menschen aus ihrem Alltag herauszuholen, gerade in tristen Zeiten, wie jetzt! Wir würden so gern arbeiten!!!, betont er.
Würden Sie jungen Menschen zu diesem Beruf raten?
Für meine Person, ich würde es wieder tun. Jungen Leuten aus unseren Reihen ja, man muss die Feiertagsarbeit natürlich auch akzeptieren und ich möchte auch, dass unsere 1.200jährige Tradition nicht ausstirbt. Schaustellerkinder lernen sich auf den bundesweiten Festen kennen, treffen sich und so bleiben sie mehr oder weniger untereinander und setzen die Tradition fort.
Wie schätzen Sie die Zukunft der Volksfeste in 10 Jahren ein?
Mein Wunsch ist, dass sie möglichst noch weitere 1.000 Jahre bestehen! Heute macht uns, unabhängig von Corona, die Dokumentationspflicht völlig fertig. Sie könnte bis zum Ruin führen, meint er. Viele Vorschriften hätten sich realitätsferne Beamte ausgedacht. So sieht ein normaler Arbeitstag bei uns aus: Wir starten um 9 Uhr morgens, mit schulpflichtigen Kindern noch früher, und arbeiten dann bis in die Nacht, um im Anschluss bis ca. 4 Uhr morgens der Dokumentationspflicht nachzukommen. Die Behörden haben keine Ahnung, was das bedeutet. Bianka erzählt beispielhaft: Die Berufsgenossenschaft fordert Geschäftswäsche darf nicht mit Privatwäsche zusammen gewaschen werden, beim Auf-und Abbau muss immer das eigene Werkzeug verwandt werden, die etwaige Zange des Nachbarn ausleihen ist nicht erlaubt. Wir versuchen ja alle Auflagen zu erfüllen und alles richtig zu machen, jedoch ist es manchmal nahezu grotesk.
Müssen die Fahrgeschäfte eigentlich immer größer, höher und schneller werden?
Das ist eine Generationenfrage. Die jungen Leute, wollen höher, schneller, weiter. Die Älteren wollen das nicht, denen gefallen auch die alten Fahrgeschäfte wie zum Beispiel der Rotor u.v.m. Kleinen Kindern gefallen Karussells, wo sie mitmachen können, z.B. mit einem Knüppel etwas höher steuern. Das feststehende Karussellpferd ist eher langweilig.
Wird die digitale Welle auf den Jahrmarkt schwappen?
Eher nein, das tatsächliche Erleben steht im Vordergrund. Ich meine auch  3D Brillen sind nicht der Renner.
Sollte sich das Verzehrangebot verändern, etwa exotischer werden?
Hinsichtlich der kulinarischen Angebote sind die Schausteller trendy. Sie passen sich schnell an und machen neue Wellen mit, wie zum Beispiel die vegane Welle, Pita gefüllt, Frozen Jogurt u.v.m. Bei Süßigkeiten, ohne Zucker mit Stevia... aber die traditionellen Angebote bleiben, gebrannte Mandeln, Berliner, sie sind zeitlos und verbreiten den köstlichen typischen Jahrmarkt-Duft. Übrigens Würstchen gehören auch dazu, aber nur die Traditionellen.
Was bedeutet geschäftlicher Erfolg für Sie? 
Den Nerv der Zeit zu treffen und für Besucher attraktiv zu bleiben. Er zeigt Fotos von seinem Karussell und als Besucherinnen Barbara Schöneberger mit Cindy von Mahrzahn in den Autos sitzend. Sein Karussell wird häufig fotografiert, freut sich Christian.
Haben Sie einen Wunsch, ein Ziel, eine Vision?
Momentan in der Corona Krise, dass es in unserem Gewerbe endlich weiter geht und dass unsere Kinder in unserer Branche weitermachen können.
 …und privat, gibt es ein Hobby des Vollblutschaustellers Christian?
Zusammensein mit meiner Familie, unserem Familienhund und mit Freunden.
Thema Corona: Was macht es mit Ihnen?
Wir hatten eine gesunde Firma, haben immer pünktlich die Steuern bezahlt und nun müssen wir unverschuldet zum Amt gehen und uns erklären. Formulare und Bescheinigungen in Hülle und Fülle ausfüllen oder beibringen.Das zehrt an meinen Nerven sagt Bianka, ich fühle mich davon schon  
krank. Momentan fällt mir auch die Erholung in der Natur schwer, es funktioniert irgendwie nicht. Bei unseren Bäckereien halten wir das Hygienekonzept 100% ein, wir sind die wöchentlichen Kontrollen des Gesundheitsamts gewohnt und wir wollen ja weiter arbeiten; sorgen also penibel für Sauberkeit. Den Abstand können wir auch einhalten. Anders ist es bei dem Karussell, wie soll das funktionieren? Abstand + Desinfektion + schaulustige Menschen fernhalten? Ein Minusgeschäft. Schon heute wissen wir, selbst bei erteilter Arbeitserlaubnis können wir unsere Kosten mit Corona-Auflagen nicht einfahren. Wir bleiben trotz allem optimistisch. Unsere beiden Kinderkarussells sind attraktiv für die Kleinen und unsere Bäckereien sind und bleiben beliebt! Nun hoffen wir zunächst auf weitere Interims-Stellplätze im Frühjahr in Hamburg, aber besonders auf die Wiederbelebung der Jahrmärkte und des Doms, sagt Christian im Februar 2021.
Die Gespräche führte Barbara Gitschel-Bellwinkel im Mai 2020, im Herbst 2021 und im Februar 2021.

Zum Motiv: Still gelegtes Kinderkarussell
Fotos@Barbara Gitschel-Bellwinkel

 

Kein Dom, keine Jahrmärkte, kein Hamburger Fischmarkt

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Fazit des Jahres 2020. Für die Schausteller war es ein Jahr des Bangens und Hoffens. Kaum waren die Geschäfte im Frühjahr aufgebaut, mussten sie wieder abgebaut werden. Mit dem Corona Lockdown im März begann für viele die "Achterbahnfahrt ins Ungewisse". Der Hamburger Fischmarkt fand überhaupt nicht mehr statt, da er in der politischen Auslegung zu einer Veranstaltung wurde und nach monatelangen Überprüfungen der Behörden schließlich Ende des Jahres ein extra

entwickeltes Regelwerk erhielt. Zu einer Umsetzung ist es bislang nicht gekommen. Eine bittere Pille für alle Teilnehmer. Sämtliche Volksfeste wie der Hamburger Dom und kleinere Jahrmärkte in den Stadtteilen wurden abgesagt, um der Pandemie die Stirn zu bieten und die Ansteckungsgefahr in die Defensive zu zwingen. Nachdem die Zahlen der Infizierten im Sommer 2020 sanken, erließ Hamburg einige Lockerungen, indem eine kleine Anzahl von Schaustellern sogenannte Interimsplätze, verteilt und zugewiesen, in der Innenstadt einnehmen durften. So erhielten sie kurzfristig die Möglichkeit mit ihren Angeboten etwas Geld zu verdienen. Doch schnell waren die Tage im Herbst vorüber. Noch gab es Hoffnung auf die traditionellen Weihnachtsmärkte. Nachdem der Winterdom abgesagt wurde, kam sehr spät eine Woche vor den ersten Startterminen der Weihnachtsmärkte auch deren finale Absage. "Nun bleibt uns nur noch die Hoffnung auf das kommende Frühjahr", berichtet ein Mitglied des Verbands des Ambulanten Gewerbes und Schausteller e.V. gegenüber Marktstories. "Ob diese Durststrecke von allen überstanden wird ist die Frage, denn trotz der zugesagten und bereits erhaltenen finanziellen Hilfen trägt hier jeder sein eigenes schweres Bündel und teilweise passt es nicht zu den gesetzlich vorgegebenen Randbedingungen. Der Berufsstand hat seinerseits etliche Hygienekonzepte entwickelt, um Sicherheit für Kunden und Gäste zu gewährleisten und würde sich freuen, wenn es die Lage zulässt, diese möglichst schnell im kommenden Frühjahr umsetzen zu dürfen".BGB

Impressionen einiger Interimsstandplätze in Hamburgs Innenstadt
Rathausmarkt, Spitalerstraße, Baumwall, Hafenmeile, Einkaufszentrum, Mönckebergstraße
Fotos©Barbara Gitschel-Bellwinkel

Churros auf Hamburgs Rathausmarkt

Churros auf Hamburgs Rathausmarkt

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Schaustellerpaar trotzt Corona

Wir haben uns sofort beworben als ersichtlich wurde, dass Hamburg uns Schaustellern Plätze in der Innenstadt anbieten werden, sozusagen als kleinen Ersatz für unser Berufsverbot, dass uns im März 2020 auferlegt wurde. Corona und noch ist kein Ende in Sicht, seufzt Nico K., doch wir machen das Beste aus der Situation und sind auch glücklich, dass wir einen so guten Platz auf dem Rathausmarkt bekommen haben. Dort steht er mit seinem Angebot "Churros". Das hübsche Angebotshäuschen, komplett aus Holz gebaut, erfüllt den Trend hin zu natürlichem Baumaterial und ist mit seiner Innenausrüstung auf dem modernsten Stand der

Technik. "Wir haben diesen Stand gerade erst in Betrieb genommen und alles was wir haben, in ihn hineingesteckt. Er ist sozusagen brandneu und hofft nun auf seinen ganz großen Einsatz". Losgehgen sollte es im Frühjahr 2020 mit dem Hamburger Dom, doch es kam komplett anders. Gemeinsam mit seiner Verlobten Jill R.-B. suchte Nico. K. umgehend nach anderen Möglichkeiten, denn stillsitzen und abwarten ist nicht ihr Ding. Zunächst fanden sie einen befristeten Standplatz zum Verkauf ihrer süßen Köstlichkeiten bei einem privaten Verein, dessen Grundstück prominent an einer Hauptstraße liegt. Das war eine gute temporäre Lösung – doch ist nicht zu vergleichen mit einer Veranstaltung. Dann ging es erst im Juli weiter für das junge Paar und zwar mit einer Standfläche auf dem Rathausmarkt in Hamburgs Innenstadt, wo sie bis zum 31. Oktober 2020 stehen dürfen. Wir haben hier viel vorbeilaufende Menschen und können auch ganz gut verkaufen, allerdings ist das Geschäft nicht vergleichbar zu mit einem Jahrmarkt, oder einer Veranstaltung; berichtet Nico K. Doch das ist alles besser, als nichts zu tun und zu Hause sitzen zu müssen. Jill R.-B. ergänzt lachend, dass sie sich über jeden Kunden freuen und sogar Stammkunden von den umliegenden Büros und Geschäften für ihre Churros gewinnen konnten. Eine kleine verkaufsfördernde Maßnahme steht auf dem Tresen: beim Einkauf von XX Tüten Churros winkt eine Gratis-Portion. Überhaupt hat das junge Schaustellerpaar auch bedacht, dass eine optisch einheitliche Linie gut beim Gast ankommt und verkauft ausschließlich in betriebseigener Kleidung, farblich abgestimmt zu ihrem Verkaufsstand. Nun hoffen die beiden darauf, dass der Weihnachtsmarkt und insbesondere der Weihnachtsdom stattfinden kann. Die Hygienevorgaben halten wir und auch unsere Kollegen ohne Probleme ein, uns fehlt doch eigentlich nur die Genehmigung arbeiten zu dürfen. An was wäre wenn, nämliche an eine Durstrecke bis in das Frühjahr 2021, mögen wir gar nicht denken, murmelt Nico K. und kümmert sich optimistisch um seine Arbeit am Churros-Stand!
Und was sind denn überhaupt Churros?
Churros ist ein spanisches Fettgebäck, im Querschnitt sind die Krapfen sternenförmig. Aus einem selbst hergestellten Brandteig formt ein Knetwerk einen geriffelten Teig, der in lange Stangen getrennt und sodann frittiert wird. Die fertig ausgebackenen Stangen werden klassisch in Zucker und Zimt gewendet, oder können mit einer Wunschsoße, wie Zartbitter- oder Vollmilchschokolade und etliche andere Sorten bei Jill R.-B. und Nico K. geordert werden. BGB

Text und Motive sind im Oktober 2020 entstanden.
 
Fotos©Barbara Gitschel-Bellwinkel

  1. Corona und die verpatzte Hochzeit
  2. Mein Karussell die Kindereisenbahn
  3. Meine Suppen sind Snackification
  4. Von einer seltsam schmeckenden Weintraube

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