Die sympathische Marktmeisterin vom Wochenmarkt Harburg

Die sympathische Marktmeisterin vom Wochenmarkt Harburg

Johanna Eisenschmidt entdeckte 2024 ihre Leidenschaft für den Wochenmarkt. Wer ist sie und wie kam es dazu? Die 40jährige Johanna Eisenschmidt hat zunächst den Magister für Angewandte Kulturwissenschaften an der Uni Lüneburg gemacht.  Hier wählte sie den Schwerpunkt Kulturvermittlung und -organisation. Die sodann folgenden beruflichen Stationen waren: 2011-2016 Marketing/Soziales Engagement bei BUDNI, 2016-2019 Geschäftsführungs-Assistenz in der Stiftung Kultur Palast Hamburg, 2020-2024 Kurs- und Veranstaltungsmanagement, Presse, sowie Leitung des Kulturhauses Süderelbe. War der nächste berufliche Schritt Glück oder Fügung? 

Neben etlichen Bewerbern zur Ausschreibung der Marktmeisterin machte Johanna Eisenschmidt das Rennen. Das Bezirksamt Harburg engagierte sie für den Harburger Wochenmarkt, den sie seit dem 1.November 2024 voll verantwortlich für alle Belange koordiniert. Über diese Arbeit ist sie ausgesprochen glücklich, wie sie berichtet. Am 20. September 2025 haben Sie ein Marktfest auf der Wochenmarktfläche in Harburg organisiert.
Wie ist die Idee zum Marktfest entstanden?
Der Harburger Wochenmarkt feierte an einem Sonntag 2002 ein richtig großes Marktfest mit Ponyreiten und Bierwagen. Es folgte erst 2012 ein weiteres Fest und zwar anlässlich des 400-jährigen Bestehens. Gefeiert wurde mit Gauklern und mittelalterlichen Verkleidungen. Ich fand Fotos und Videos von den Veranstaltungen und fragte die Beschicker im Frühjahr 2025, ob sie sich wieder ein Marktfest wünschen und in welcher Form. Es entstand die Idee, ein Fest während der Öffnungszeiten an einem Sonnabend auszurichten. Dazu sollten die Marktstände besonders geschmückt werden, Verkostungen, Spiel und Spaß für Kinder, sowie Livemusik für alle in einer „Food-Ecke“ angeboten werden.
Welches Ziel wurde mit dem Fest verfolgt?
Den Wochenmarkt wieder einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu machen, neue Kunden zu gewinnen und eine feierliche Stimmung in der Marktgemeinschaft zu fördern.
Wie liefen die Vorbereitungen für die Umsetzung?
Die Markthändler, aber auch die Behördenmitarbeiter und die Lokalpresse gaben alles, um zu dekorieren, zu genehmigen und zu bewerben.
Wer half mit?
Die Beschicker akquirierten zusätzliche Mitarbeiter für ihre gratis Verkostungen. Verwandte und Freunde sowie das benachbarte Harburg Marketing liehen Steckenpferde, Musikanlage, Teppich und Sessel für das „Wohnzimmerkonzert“ unter freiem Himmel.
Bitte geben Sie ein Resümee des Marktfests, was kam gut an?
Sehr gut kamen die liebevollen Dekorationen der Marktstände und Verkostungen sowie das Kinderprogramm an. Die Straßenmusik begeisterte hunderte Gäste. Kunden wie Beschicker schwelgen noch in den Erinnerungen und lobten in den höchsten Tönen die Stimmung und auch zusätzliche Verkäufe. Die Markt-Rallye für Kinder kam sehr gut an und belebte das Fest.
Können Sie sich die Wiederholung eines Markfestes vorstellen?
Auf jeden Fall! Wir wünschen uns eine jährliche Wiederholung des Festes, vielleicht sogar unter einem bestimmten Motto, jahreszeitlich oder thematisch. Auch saisonale Events wie ein „Frühjahrs-Samstag“ mit Verkostungen und Oster-Rallye oder eine „Apfelpunsch“-Verkostung im Advent werden stattfinden, das kann ich heute schon sagen.
Es folgen noch einige Fragen zur Person Johanna Eisenschmidt.
Was bedeutet Ihre Arbeit für Sie?
Eine sinnvolle Tätigkeit im Sinne der öffentlichen Versorgung ausfüllen zu können. Den Wochenmarkt zu stärken und zu erhalten, als Schnittstelle zwischen Behörde und Beschickern zu vermitteln und gemeinsam zu entwickeln. Dienstzeit, Struktur der Arbeit sowie die inhaltliche Tätigkeit begeistern mich, vor allem als Harburgerin im Herzen der Stadt draußen mit Menschen und im Versorgungssektor arbeiten zu können.
Mit welchen beruflichen Themen und Problemen setzen Sie sich zurzeit auseinander?
Abschleppvorgänge frühmorgendlicher Falschparker auf der Marktfläche bearbeiten, neue Standplätze für Händler finden und zum ausgeglichenen Miteinander bei gleichzeitigem Wettbewerb (dauerhaft) beitragen, auch, um Verlässlichkeit für die Kundschaft zu schaffen. Weiterhin die Parkplatzsituation rund um den Markt verbessern, für Beschicker wie Kunden gleichermaßen. Taubenkot-Verschmutzung unter den schattenspendenden, schön anzusehenden Bäumen für die jeweiligen Stände in den Griff bekommen, Kosten für den Unterhalt der Marktfläche im Gleichgewicht halten in Relation zu den seit Januar schon angehobenen Standgebühren – z. B. wegen gestiegener Kosten bei den im Boden versenkbaren Stromkästen sowie der Abfallentsorgung/Marktflächenreinigung. Nicht zuletzt und immer wieder: Kommunikation und Austausch zwischen Kunden, Händlern, Amt und weiteren Beteiligten wie Handwerkern und sonstigen Dienstleistern sowie anliegenden Gewerbetreibenden (z. B. Restaurants direkt um den Markt am Sand) gewährleisten und pflegen.
Haben Sie Freude an Ihrem Beruf und würden ihn wieder wählen?
Ja, mir macht der Beruf Freude und ich würde ihn wieder wählen!
Würden Sie jungen Menschen raten, Wochenmarkthändler zu werden?
Ja, mach‘ das, wofür Du Begeisterung und Leidenschaft hast und wovon Du Ahnung hast oder erwirbst. Bedenke die langen Arbeitszeiten und körperlichen Strapazen von selbstständigen Markthändlern, aber freue Dich auf eine auslastende, zufriedenstellende Tätigkeit, die Dich vermutlich mit Sinn erfüllen wird. Machen! Ausprobieren!
Wie schätzen Sie die Zukunft der Wochenmarkthändler nach Ihrer Beobachtung/Einschätzung ein?
Ich beobachte eine Stabilisierung der Lage auf Wochenmärkten nach Zeiten des Schrumpfens. Auf mittlere Sicht geht es meiner Einschätzung nach bergauf und wird wieder besser („so wie früher, was HATTEN wir viele Stände und Händler!“).
Was zeichnet einen erfolgreichen Wochenmarkthändler nach Ihrer Beobachtung/Einschätzung aus?
Verkaufsgeschick und Beharrlichkeit sowie Leidenschaft für sein Beschick, seine Produkte, aber auch Langmut mit Kunden und Freundlichkeit.
Hat sich die Gesellschaft während und nach der Pandemie verändert?
Aus meiner Sicht kaum, Menschen bleiben Menschen, wandeln und handeln wie eh und je.
Ganz persönlich…haben Sie ein Hobby?
Mehrere Hobbys: Klavierspielen, Fahrradfahren, Lesen, Kulturveranstaltungen, Kleingarten.
Meine Lieblingsmusik ist… alles, was gefühlvoll vorgetragen ist!
Mein Lieblingsbuch ist… „Unter Leuten“ von Juli Zeh.
Mit wem würden Sie gern mal über „Gott und die Welt“ diskutieren bzw. wen würden Sie gern mal kennenlernen?
Frauen: Die französische Schauspielerin Juliette Binoche und Fernsehreporterin/Moderatorin Marietta Slomka. Männer: Den Jazzmusiker und Entertainer Helge Schneider sowie unseren Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.
Haben Sie einen Wunsch, eine Vision für die Zukunft?
Friedliches und sicheres Auskommen für Jeden und alle.

Vielen Dank für Ihre Antworten und weiterhin viel Geschick für den Harburger Wochenmarkt.
November 2025, Text und Foto @ Barbara Gitschel-Bellwinkel

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